Geschichte der Schule


Die Schule in Melchiorshausen kann bereits auf eine lange Geschichte hinweisen und ist damit die älteste Schule in der Gemeinde Weyhe. Bereits 1848 wurde sie gegründet. Der Unterricht fand zunächst bei einem Bauern mit der größten Stube statt. Es folgten verschieden Schulhäuser bis zum Entstehen des heutigen Schulgebäudes, in dem sich zunächst die achtklassige Volksschule Melchiorshausen befand.Seit dem Jahre 1968 / 69 ist sie Grundschule.


Zum Schulstandort


In der Gemeinde Weyhe mit ca. 30 000 Einwohner befinden sich 6 Grundschulen und zwei Kooperative Gesamtschulen.
Melchiorshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Weyhe mit ca. 1890 Einwohnern
Enge Bebauung sowie Neubaugebiete gibt es hier nicht, es überwiegen Einfamilienhäuser. Die Grundschule ist einzügig und somit auch die kleinste Schule in der Gemeinde Weyhe.

Z.Zt. werden hier 59 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Chronik der Schule in Melchiorshausen





Die Chronik unserer Schule beginnt leider erst im Jahre 1949/1950 und wurde aufgeschrieben durch den ab 1950 tätigen Hauptlehrer Meyer im Hagen. Durch den Krieg ging die alte Chronik verloren. Trotzdem sind noch einige Daten aus der alten Chronik erhalten, die vom damaligen Lehrer, Friedrich Sander, nach seiner Pensionierung im Jahre 1949, nachgetragen wurden.



„Vom 15.11.1906 bis zum 31.12.1948 hat Lehrer Sander als treuer und überall geachteter Lehrer in seinem Geburtsorte gewirkt.“ Dieser war Sohn des ersten Hauptlehrers, Heinrich Sander, der seit 1881 in Melchiorshausen tätig war und in der ursprünglichen, alten Schule von 1849 wohnte.
Die Lehrer Möller und Sander

In Melchiorshausen gab es eine so genannte Wanderschule. Vor dem Bau der ursprünglichen alten Schule im Jahre 1849 wurden die Kinder bei den größeren Bauern, abwechselnd in ihrer großen Stube von einem Junglehrer, der auch dort beköstigt wurde, unterrichtet. Die ursprüngliche „Alte Schule“ von 1849 war ein Fachwerk-Bauernhaus. Sie stand in West-Ost-Richtung in der Nähe des jetzigen Bunkers und enthielt einen Klassenraum, die Dienstwohnung des ersten Lehrers sowie eine große Diele und Ställe. Die Lehrer wollten diese Wohnung wegen der vielen Ratten und Mäuse meistens nicht beziehen. Das Fachwerk-Bauernhaus wurde 1913 abgerissen.







1890 Heinrich Sander mit seiner Frau Gesche Margarete, dem Lehrer Murken und der 2. Klasse. Frau Sander unterrichtete zu dieser Zeit Nadelarbeit.
Klassenfoto der 2. Klasse 1890


1881 besuchten 124 Kinder die Schule, die damals „einklassig und als Halbtagsschule eingeführt“ war. Toiletten waren noch nicht vorhanden.

Die Schulzucht wurde „mit Strenge, jedoch mit Liebe gehandhabt. Im Sommer turnten die Kinder, während die Mädchen Handarbeit hatten.“

Nadelarbeitca.1950mit Meta Schild

Ab dem Jahre 1890 wurden zwei Lehrer angestellt und die „Alte Schule“ mit einer Klasse und einer Dienstwohnung gebaut. Die Schule war nun 3-klassig.

Ursprüngliche alte Schule 1849 „Alte Schule“ 1890 und Schule 1849

Alte Schule 1890 Lehrerwohnung Alte Schule

Die „neue Schule“ wurde dann 1912/13 errichtet. Sie enthielt fünf Klassenräume, wobei ein Klassenraum als Dienstwohnung für einen jungen Lehrer und später von einer „berufsfremden“ Familie Krützmann (Südklasse oben) genutzt wurde. Es waren jetzt vier Lehrer angestellt.

1938 musste die Melchiorshauser Schule auf Beschluss der damaligen Gemeindeverwaltung Leeste zur Finanzierung des Neubaus der Leester Schule einen Teil des eigenen Schullandes verkaufen. (Ackerland an der B 6)

Klassenfoto 1930
Klassenfoto um 1940
mit den Lehrern Möller und Sander


Den Anschluss an die Harzwasserleitung erhielt die Schule 1935, die Gasleitung wurde 1937 angeschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg, in den Schuljahren 1949–1951 wurde die Schule wegen der enormen Anzahl an Kindern 7-klassig. (315 Kinder, davon 93 Flüchtlingskinder). In der Klasse 7 wurden zwei Jahrgänge (7. u. 8. Schuljahr) unterrichtet. Es lehrten nun fünf Lehrer in fünf Klassenzimmern, ab Sommer 1949 unter anderem auch Englisch, wofür jedoch extra Schulgeld bezahlt werden musste.

5. Klasse 1950 mit Lehrer Brandstäter


In der Schule selbst brannte bis 1950 kein elektrisches Licht. Nur die Lehrerwohnung hatte ab 1937 elektrisches Licht und im Klassenraum der damaligen 2. Klasse wurde von Lehrern selbst Lichtleitungen verlegt, so dass dort abends Versammlungen abgehalten werden konnten. Da nicht genug Geld für eine Gasheizung vorhanden war, wurde noch weiterhin in fünf Öfen mit Kohle und Holz geheizt. Der damalige Schuldiener Herr Brümmer musste im Winter jeden Morgen mit der Sturmlampe in der Hand vor Unterrichtsbeginn die Öfen anzünden,. Erst am 09.08.1950 brannte zum 1. Male in den 5 Klassen u. auf den 2 Fluren elektrisches Licht, und seit diesem Tage gab es auch eine elektrische Klingeleinrichtung, die im Flur und auf dem Schulhof gut zu hören war.

Nach dem Kriege gab es für bedürftige Kinder (u. a. auch viele Flüchtlingskinder) ab Juli 1950 bis Ostern 1952 eine Schulspeisung, bestehend aus warmem Essen. Diese wurde in der Schulküche Leeste zubereitet und von der Autovermietung Menke abgeholt. Dazu kam ab August 1950 auch ein warmes Milchfrühstück, welches der Schulleiter Herr Meyer im Hagen mit der Molkerei in Bremen aushandelte. So konnte der Milchfahrer Rottmann für die Schulkinder von der Molkerei frische Milch mitbringen.

Auch gab es in der Schule Melchiorshausen nach dem Krieg regelmäßig eine Mütterberatung. Hier konnten sich die jungen Mütter einmal im Monat vom einem Amtsarzt Rat holen und es wurde Vigantol (Vitamin D) ausgegeben.

Neues Schulgebäude mit Toiletten von 1913

Im November 1950 wurden endlich die Toilettenräume vergrößert, so dass es jetzt für Mädchen vier Aborte und für die Jungen drei Aborte gab. Weiterhin wurde der Schulhof planiert und eingefriedigt. 323 Kinder besuchten im Jahr 1951 unsere Schule.

Im Schuljahr 1951/52 wurden weitere Anschaffungen getätigt, z. B. ein neues Klavier für den Musikunterricht und neue Bücher. So betrug der Bestand an Büchern in der Lehrer- und Schulbücherei 132 Exemplare.
Der Spielplatz erhielt zwei neue Turnstangen, im Schulflur wurden Kleiderhaken angebracht, in jedem Klassenraum ein Lehrerstuhl und in drei Klassen ein neuer Klassenschrank angeschafft. Auch wurde im Frühjahr 1952 auf dem Schulhaus-Dach ein neuer Blitzableiter installiert.

Es wurden sechs Kinder aus Melchiorshausen zur Erholung an die Nord- u. Ostsee verschickt.

Im Sommer erteilte der Turn- u. Sportlehrer Kurt Borchert beim Esdohrs Moor Schwimmunterricht und nahm dabei Schwimmprüfungen ab.

Schwimmunterricht Schwimmausweis

In all diesen Jahren fanden Schuluntersuchungen mit Impfungen gegen Pocken und Kinderlähmung statt. Eine zahnärztliche Untersuchung erfolgte zudem. Ebenso regelmäßig erhielten die Kinder Verkehrsunterricht durch die Polizei und die Schulabgänger eine Berufsberatung.

Es gab in Melchiorshausen eine allgemeine Schulpflicht. Nur die Kinder, die eine höhere Schule in Brinkum oder Bremen besuchten, mussten Schulgeld bezahlen. Die meisten Kinder jedoch besuchten die Volksschule.

„Alle 47 Kinder, die am 22. März 1952 nach ihrer 8 ½ -jährigen Schulpflicht entlassen wurden, hatten eine Lehr- und Arbeitsstelle!“

Die Schulbücherei wuchs im Schuljahr 1952/53 auf 187 Bücher an.
Seit 1953 waren alle Kinder und Lehrer der Schule versichert (Nebeneinkünfte des Hauptlehrers). Schon im darauf folgenden Jahr wurden den Kindern im Unterricht Filme gezeigt und sie hörten Radiosendungen!

Ab Herbst 1954 gab es dann eine neue Einstufung der Zensuren im Zeugnis: Die Zensuren lauteten jetzt von der Note 1, als beste Note, bis zur Note 6.
Vorher gab es nur die Noten 1 bis 5. Da die 5 die schlechteste Note war, wurde sie in Melchiorshausen nicht oft gegeben, sondern es wurde auf die Note 4 ausgewichen, die ungenügende Leistungen bezeichnete. Bei mehr als zwei Vieren im Zeugnis wurde man also nicht versetzt. Weiterhin gab es die Note 1 sehr selten, sondern eher eine 2; bei der häufig gegebenen Note 3 gab es die Unterscheidung 3+ und 3-.
Daher das Zitat „Die Eltern sollen wissen, dass eine „Vier“ gar nicht so schlecht ist- wie früher. Sie bezeichnet eine voll ausreichende, genügende Leistung. Und wenn das ganze Zeugnis voller „Vieren“ wäre, so ist doch die Versetzung gesichert.“
Die Zeugnisse blieben bis zum Ende der Schullaufbahn in der Schule.


Klassenfoto 1947/48 mit Schulleiter Meyer im Hagen

Im März 1956 wurde der Hauptlehrer Otto Meyer im Hagen pensioniert. Sein Nachfolger wurde Lehrer Heinrich Müller, der die Chronik fortführte.

Aus Platznot wurde im Schuljahr 1956/57 der Neubau mit zwei Klassenzimmern, einer Lehrerdienstwohnung, zwei Junggesellenwohnungen, einem Lehrerzimmer und Werkraum geplant. Dazu wurden die Schulländereien im alten Moor gegen das nördlich an das Schulgrundstück angrenzende Land der Frau Dora Hüdepohl getauscht.

Ab Sommer 1957 wurden die Neubauten der Schule und der Doppel-Dienstwohnung
(Heideweg 30/30a) begonnen. Im Mai fand die Grundsteinlegung in Gegenwart der Schulkinder statt. Das Richtfest des Neubaus war am 11. Juli 1958. Dazu banden die Schulkinder den Richtkranz, sangen einige Lieder und „trugen sinnvolle Gedichte vor.“
Die Einweihung des neuen Schulgebäudes der Volksschule Melchiorshausen fand am 18. April 1959
in einem feierlichen Rahmen statt.

Richtfest 11. Juli 1958

Seit Mai 1958 verfügte die Volksschule über einen Telefonanschluss und die Außenanlagen wurden durch einen überdachten Fahrradständer, der im Jahr 1962 errichtet wurde, erweitert.

Nachdem die Lehrerwohnungen im Haupt- und Nebengebäude bereits seit 1959/1961 über ein Badezimmer mit WC-Anlage verfügten, wurde 1963 dem Bau einer neuen WC-Anlage mit Duschanlage für die Kinder zugestimmt. Der Einbau einer Dusche wurde dabei vom Schulleiter Müller wie folgt begründet: „Es gibt keine Badeanstalt in der Nähe und nicht alle Kinder haben daheim eine Bademöglichkeit.“

Es war mit dem Anstieg der Schülerzahlen in den weiteren Jahren zu rechnen. Deshalb wurde der geplante Erweiterungsbau am 2. Oktober 1964 gerichtet.

Ab 8. April 1964 begann der Konrektor E. A. Fricke seinen Dienst als Schulleiter in der Volksschule Melchiorshausen.

Im Sommer 1965 wurde der Schulhof gepflastert und ab Herbst 1965 wurde den Schulkindern für je 10 Pfennige pro Tüte in den Pausen Milch und Kakao angeboten.

Da der Autoverkehr auf der B6 zunahm und einige Schulkinder in schwere Unfälle verwickelt waren, stellte man einen Antrag für das Aufstellen einer „Druck-Ampel“ an der B6.

Wegen ständig sinkender Schülerzahlen in der Gemeinde wurden auch Überlegungen über die weitere Zukunft der Volksschule Melchiorshausen angestellt. Unklar war: Sollte die Melchiorshauser Schule geschlossen werden und ihre Schüler nach Leeste in die Schule gehen oder die neu gebaute Schule in Erichshof gefördert werden? Bleibt in Melchiorshausen alles beim Alten oder entsteht hier die vom Schulrat geplante Sonderschule für die Nordkreis-Gemeinden?

Nach langen Streitgesprächen mit der Gemeinde, der Elternschaft und dem Landkreis wurde am 01.12.1966 die Umorganisation der Volksschule beschlossen. So sollten nach den Weihnachtsferien die Schuljahre 5 bis 7 in die Leester Schule gehen. Die Klasse 8 folgte ab Ostern 1967.
Die Schuljahre 1-4 verblieben als Grundschule in Melchiorshausen.
Zum Transport der Melchiorshauser Schüler nach Leeste wurden Schulbusse eingesetzt.
Die Werkraum-Einrichtung (mit Brennofen für Tonarbeiten) wurde im Mai 1967 an die Volksschule Lahausen verkauft.

1968 entstand die Sonderschule, die am 27. August mit drei Klassen in einen Teil der jetzt leeren Räume der Melchiorshauser Schule einzog. Zur gleichen Zeit wurde der Bau einer Schulturnhalle geplant.

Am 11.02.1969 riss man die „alte Schule“ von 1890 ab. Die Erstellung eines Anbaus an den kleinen, verbliebenen Teil der Grundschule wurde im Juli 1969 begonnen, im Herbst gerichtet und im Sommer des darauf folgenden Jahres fertig gestellt. Der Schulbetrieb konnte am 6. April 1970 in den neuen Räumen der Grundschule beginnen (heute Pausenhalle, Lehrerzimmer, WC-Räume).

1972 kamen zwei Mädchen aus Portugal an die Grundschule Melchiorshausen.
Es waren die ersten „Gastarbeiter-Kinder“. Sie wurden durch die Lehrkräfte nach bestem Wissen und Gewissen unterrichtet, da es an Lehrkräften fehlte, die ihrer Landessprache und heimatlichen Kultur mächtig waren.

Maria Joao de Bastos mit Schulleiter Fricke

1974 gab es katastrophale Zustände an der Grundschule, weil durch ständige Lehrerwechsel, Krankheitsausfälle und Schwangerschaften ein Unterrichtsausfall von über 60 % vorherrschte.
Es folgten wieder starke Elternproteste, um die Lage für die Kinder zu verbessern.

1978 wurde der Schulhof umgestaltet. Es entstanden Ruhe- und Bewegungszonen für die Kinder, die in der Pause soziales Verhalten einüben, sprich Schulstress abbauen sollten.

In der Zwischenzeit errichtete man die Turn- und Schwimmhalle.

Am 1. August 1979 wurde Frau Sieglinde Gasteier mit der Schulleitung betraut. Ab 01.02.1980 kam unsere heutige Schulleiterin, Frau Elke Mattfeldt, mit zuerst 14 Wochenstunden an unsere Schule. Die weiteren Kolleginnen waren Frau Dorothea Janßen, die ihren Dienst zum 01.08.1980 aufnahm und Frau Luise Scherf.

Frau Scherf studierte mit ihren jeweiligen Klassen in der Zeit von 1982 bis 1987 verschiedene Opern- u. Operettenstücke (Der Freischütz, Orpheus und Eurydike) ein und führte diese jeweils zu den Weihnachtsfeiern mit großem Erfolg auf.

Frau Seidler erweiterte im Schuljahr 1983/84 das Kollegium und laut Aussage von Frau Gasteier schien sich endlich ein festes Kollegium heraus gebildet zu haben.
Im Schuljahr 1989/90 führte man das gemeinsame Pausenfrühstück der Kinder ein.

Am 8. November 1993 wurde die Umgestaltung des Schulhofes nach „Benjes“ beschlossen und darauf hin auch ausgeführt.

Im Schuljahr 1996/97 errichtete die Gemeinde Weyhe Schwebebezirke.
Der Grund dafür war, dass die an Kindern gut bestückte Leester Grundschule keine Kinder an die minder bestückte Grundschule in Melchiorshausen abgeben wollte.

Im Jahre 2000 erfolgte die Einführung der Verlässlichen Grundschule.
Am 27. Juni 2001 wurde die bisherige Schulleiterin, Frau Sieglinde Gasteier, nach 22 Dienstjahren an der Schule in den Ruhestand entlassen.
An ihre Stelle trat ab dem 1. August 2001 unsere jetzige Schulleiterin, Frau Elke Mattfeldt.

Am 28.09.01 erhielten wir die lang ersehnte Bedarfs-Ampel an der „Siemers-Eiche“.
Die Einweihung von „HÜTTI“, unserem Gartenhaus für die Spielmaterialien der Betreuungskinder, fand im Sommer 2003 auf dem Schulhof statt.

Im Zuge der neuen Niedersächsischen Schulreform wurden 2004 erstmalig an unserer Grundschule Schullaufbahn-Empfehlungen geschrieben.

Grundschule Melchiorshausen im Jahre 2005



Originalseite aus der Chronik




Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit von Willi Stahmann
(Jahrgang 1935) und Heinrich Nienaber (Jahrgang 1938):


Willi StahmannHeinrich Nienaber

Es gab bei der Schule Melchiorshausen 1941 auch einen Kindergarten, den Alwine und
Erna Peters sowie Agathe Friedhoff leiteten. Die Kinder konnten in der Sandkiste spielen. Der Hauptlehrer in der Zeit war Herr Fritz Sander, die weiteren Lehrer waren Herr Meyer im Hagen, Herr Max Zimmermann, Herr Karl Möller.

Die Schulkinder spielten in den Pausen Eckball, Hinkepinke, Stockball (Sticken kloppen). Am Nachmittag wurde dann auf der heutigen Bundesstraße Schlagball gespielt. Es kamen ja sehr selten Autos angefahren. Nur wenige Melchiorshauser Bürger hatten damals ein Auto, (Schorse Menke (später Taxifahrer) hatte ein Auto, einen Hansa-Borgward, das er im Krieg beim Bauern Heinrich Menke unter Sträuchern versteckt hatte. Die Schulkinder kamen mit kurzen Hosen, langen Kniestrümpfen und teilweise mit Holzschuhen in die Schule. Im Krieg bei Fliegeralarm liefen die Kinder dann quer über die Felder nach Hause. Nicht alle Familien hatten einen Luftschutzbunker, einige hielten sich im Keller, der mit Stroh geschützt wurde, auf. In den Melchiorshauser Fuhren hatte die englische Wehrmacht Stellung bezogen und schoss auf Bremen. Die Kinder in der Streitheide saßen z. B. mit dem Rücken am Haus von Bauer Bode und hörten und sahen die Geschosse über sich hinweg nach Bremen sausen. Einige Häuser an der heutigen Bundesstraße und auch in der Streitheide bei Stahmann`s waren durch die englische Wehrmacht belagert. Bei Nienaber`s standen die Engländer mit einem Panzerwagen vor dem Haus. Ein Spaßvogel hat dann die Luft aus den Reifen des Panzerwagens gelassen. Nienaber`s selbst kamen zuerst in der benachbarten Werkstatt von Schaepe unter und gingen dann zu Fuß mit der Mutter und Bruder im Kinderwagen zu Verwandten in den Fuhrenkamp (Albert Troue), da diese einen Luftschutzbunker hatten. Der Fußmarsch war nicht ungefährlich, denn in Höhe der späteren Gaststätte Peters schlugen Granaten nicht weit vom Kinderwagen ein. Stahmann`s zogen wegen der Belagerung durch die englischen Soldaten mit dem Ochsenkarren und dem, was sie mitnehmen konnten, für 3 Wochen zu Verwandten nach Ristedt. Alle paar Tage schaute meine Großmutter nach, was im Hause los war. Die Soldaten räumten die Schränke aus, viele Fotos aus der Zeit gibt es nicht mehr, die flogen damals im Garten umher.

Die Jahrgänge 1933, 1934 und 1935 wurden zusammen in einer Klasse unterrichtet.

Beim Jahrgang 1938 kamen die Flüchtlinge zu den Melchiorshauser Kindern hinzu, so dass ca. 40 Kinder zusammen in der Klasse unterrichtet wurden.

Im Winter mussten die Schulkinder zu Dritt für jede Klasse Holz und Brikett aus dem Schulkeller holen, oder auch das Holz im Schulkeller stapeln. Zum Teil wurden auch Briketts von zu Hause mitgebracht. In einem Klassenraum war wegen der Wohnungsnot eine Familie Krützmann untergebracht, so dass nur 3 Klassenräume z. Verfügung standen. Der Lehrer Möller unterrichtete den Jahrgang 1933 – 1935 und rauchte Zigarre. Er fragte die Schulkinder, wer denn freiwillig nachmittags kommen und im Schulgarten Tabak ernten wollte. Der Tabak wurde gepflückt und auf einem dünnen Draht zum Trocknen aufgefädelt. In Melchiorshausen wuchsen die Kinder mit plattdeutscher Sprache auf, erst in der Schule lernten Sie Hochdeutsch. Der Hauptlehrer Möller sprach mit den Kindern hochdeutsch und verstand in seiner Anfangszeit nicht gut plattdeutsch. Er gab Vertretungsunterricht in der 4. Klasse (Schulanfänger). Da sprach ihn ein Pöks mit den Worten an: „Möller, kumm hier mol eben her........Hier lot se jümmer wecke rieten!“ Dieses gab Herr Möller später im Kollegium in gemütlicher Runde zum Besten. (Erinnerung v. Heinr. Sander 2005). Im Herbst wurden 2 – 3 Schüler gefragt, ob sie im Schulgarten die Äpfel pflücken wollten. Die Ernte ging so vonstatten, dass jeder Apfel einzeln mit dem Apfelpflücker geerntet und in eine Kiste gelegt wurde. Lehrer Möller achtete streng darauf, dass die Äpfel keine Stellen hatten. Wenn er dann kurz ins Haus ging, wurden schnell die Zweige geschüttelt, damit die Sache schneller ging. Die Melchiorshauser Jungen spielten auch gerne Fußball. Es gab 3 Fußballmannschaften. Wobei der Gänsebach die natürliche Grenze bildete.
1. Kinder aus dem Fuhrenkamp
2. Kinder aus der Streitheide
3. Kinder vom Gebiet Hinter dem Felde

In den Melchiorshauser Fuhren war vor der Schützenhalle der Fußballplatz, wo mit Bande gespielt wurde. Es gab nur ein Problem, und zwar wenn der Ball auf dem Balkon gelandet war, musste man sehen, wie er wieder herunterzubekommen war. Heinrich Eggers (Drücker) war Hauptmann vom Schützenverein und hatte die Waldaufsicht. Er hatte immer Angst, dass die Kinder das Dach beschädigen würden. Nach der Schule wurde sich zum Fußball-Spielen in den Fuhren verabredet. Die Kinder liefern quer über die Felder in Richtung Streitheide nach Hause, stellten Ihren Schulranzen in die Ecke und liefen in den Wald.

Lehrer Zimmermann, unterrichtete den Jahrgang 1938/1939. Er wohnte in der Böttcherei bei Anni Kück und kam mit dem Fahrrad zur Schule. Wenn er auf dem Nachhauseweg durch die Fuhren kam, waren die Jungen aus seiner Klasse schon längst da und schossen Tore. Am nächsten Tag in der Schulkasse hieß es dann vom Lehrer: Die 3 Faulen waren schon da!!

Die Kinder hatten Gesangsunterricht bei Lehrer Zimmermann in der 1. Klasse der alten Schule von 1890 (neben Wohnung von Lehrer Sander). Die musikalischen Kinder saßen in den Schulreihen und vorne davor stand der Lehrer und dirigierte. Zu seiner rechten und linken Seite standen jeweils Bänke. Dort saßen die sog. „Brummer“ (Flegel), die Kinder die nicht singen konnten oder nicht wollten. An einem Tag standen sich Jonny Finke und Heinrich Nienaber hinter dem Rücken vom Lehrer gegenüber und warfen sich einen kleinen Ball hin und her.

Der Jahrgang 1935 lernte bei Lehrer Meyer im Hagen das ordentliche Grüßen am Morgen: Die Kinder stellten sich in einer Reihe vor der Schule auf und setzten sich ihre Mützen auf (wer keine hatte, musste sich eine Mütze leihen). Dann machten sie einen Diener, zogen alle ihre Mützen und grüßten den Lehrer wie folgt: „Guten Morgen, Herr Meyer im Hagen!“ Herr Meyer im Hagen legte besonders Wert auf „ ....im Hagen“. Wenn einer nur „Guten Morgen, Herr Meyer“, sagte, war etwas los.

Im Sommer fuhren die Kinder dann zum Baden ins Esdohr`s Moor und lernten dort bei Lehrer Kurt Borchert das Schwimmen. Es gab sogar Ausweise für das bestandene Frei- und Fahrtenschwimmen. Lehrer Kurt Borchert wohnte im alten Schulhaus. Eine weitere Lehrerin war Frollein Wehmeier (ca. 1952 ?). Der Eismann kam mit dem Fahrrad und hatte seine 2-4 Eissorten dabei. Tanzen lernte man in Melchiorshausen bei Johann Peters, genannt Jan 1-2-3, der im Gasthaus Schumacher Tanzkurse gab. Kurz nach dem Krieg gab es zum Abtanzball für die Jungen eine lange Hose, die in manchen Familien aus einem alten Wehrmachtsmantel genäht wurde oder für die Mädchen ein Kleid, dass ebenfalls aus einem alten Kleid oder, wenn es der Familie besser ging, aus einem neuen Stoff genäht wurde. Im Gasthaus Schumacher wurden auch des öfteren Kinovorstellungen gegeben, an denen die Melchiorshauser Jugend gerne teilnahm.